Ich stütze mich nicht nur auf die Aussagen von Anogianakis. Er war Musikwissenschaftler, Forscher und Sammler, aber kein Instrumentenbauer – deshalb betrachtet er die Sache von einer anderen Seite …
Die Gitarre war in Mode gekommen! Seit den 50er-Jahren herrschte tatsächlich ein gewisser Minderwertigkeitskomplex gegenüber der Laute. Die Besitzer der Lokale verlangten nach Gitarren, deshalb gingen die Lautenspieler zu den Instrumentenbauern und bestellten Lauten mit einem Gitarrenkorpus. Außerdem war es für die Musiker einfacher, ein solches Instrument in Auftrag zu geben, als Gitarre zu lernen, weil eine entsprechende Nachfrage bestand …
Ich habe einmal den Umbau einer Gitarre zu einer Laute gesehen – in jeder Hinsicht ein kompletter Fehlschlag! Die Lautengitarre ist in fast allen Bauteilen eine Laute, außer bei den Zargen des Korpus, die einer Gitarre ähneln.
Außerdem kann ich nicht zustimmen, dass sie aus Kostengründen so gebaut wurden. Der Korpus einer Gitarre erfordert nicht weniger Arbeit als der Korpus einer Laute … Man spart sich vielleicht die einzelnen Späne, hat dafür aber andere Arbeitsstunden am Gitarrenkorpus, die nicht sichtbar sind …